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Story

Viel Bewegung, wenig Spielraum, voller Einsatz

Beim Bau der temporären Brücke in Hafenlohr war Fingerspitzengefühl auf allen Ebenen gefragt

Ort

Hafenlohr

Zeitraum

06/2022 – 05/2023

Mitarbeiter im Einsatz

3–5

Leistungen

Tiefbau, Erdbau, Gründung, Ingenieurbau, Stahlbau

Projektleitung

Peter Sendelbach

Peter Sendelbach

Bauleiter

Polier

Marco Schaab

Marco Schaab

Vorarbeiter

Ansprechpartner Platzhalter

Thomas Schwab

Polier

42 Meter lang spannt sich die Brücke im beschau­lichen Hafenlohr über das Gewässer. Obwohl das Bauwerk als Übergangsweg zu einer geplanten Baustelle nur ein paar Jahre den Lasten und Gezeiten standhalten muss, zeigte unser Team Einsatz und Gewissenhaftigkeit für die Ewigkeit: Im eng begrenzten Arbeitsfeld schlug Bauleiter Peter Sendelbach nicht nur eine Brücke von Ufer zu Ufer, sondern auch von Mensch zu Mensch.

Auf der einen Seite ein Wohngebiet, auf der andern ein ehemaliger Bahndamm, dazu der Main, eine befahrene Autobrücke und der Zufluss der Hafenlohr – von Anfang an stellten die Platzverhältnisse auf dem Baugelände die Herausforderung für Team Michel dar. Durch einen einzigen kleinen Zufahrtsweg fädelten sich die Bagger und LKWs, stets unter den Blicken interessierter Anwohner, die das Baugeschehen in den winterlichen Morgenstunden oft staunend verfolgten.

Das Team fokussierte sich derweil darauf, die spätere Stahlbau-Brückenkonstruktion auf ein tragendes Fundament zu stellen. Aufgrund der Nähe zum Wasser bedeutete dies, bereits beim Aushub unter dem Mainpegel die Bodenverhältnisse mit einer speziellen Brunnengründung zu stabilisieren. Stück für Stück wurden dabei Betonrohre von zwei Metern Durchmesser und einem Meter Höhe abgeteuft, mit Schotter verfüllt und verdichtet, was bei dem teils steinigen Untergrund auch den ein oder anderen beherzten Einsatz im Wasser erforderte. “In solchen Fällen überlegen wir uns eine pragmatische Wasserhaltung, um Steine unter den Brunnenringen zu entfernen, damit alles stabil steht.” erläutert Bauleiter Peter Sendelbach.
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Wenn es nach Bauleiter Peter Sendelbach ginge, hätte die Brücke durchaus noch Jahrzehnte länger dort stehen können. Stabil genug sei sie.
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Beim Einheben der Brückenteile gab es zwischen Betonbauwerk und Stahlbauwerk lediglich vier Zentimeter Spielraum, bei einem Abstand von 42 Metern zwischen den Fundamenten.
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Die komplexeste Bauphase stand dem Team jedoch noch bevor: Auf die Brunnengründung folgte ein Widerlager aus bewehrter Erde. Da das Bauwerk nur temporär genutzt wird, bevorzugte der Bauherr hier eine Bauweise, die entgegen der üblichen Bauweise auf Beton verzichtet. Dabei schichtete das Team Gittermatten und Geotextilien in vordefinierten Abfolgen aufeinander und verfüllte die Zwischenräume mit Mineralbeton bzw. Schotter, während in Abständen von 30 cm Lastversuche durchgeführt wurden. “Das erfordert eine punktgenaue Koordination, da wir mit externen Prüflaboren und Bodengutachtern zusammenarbeiten, die zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle sein müssen. Das ist nicht einfach – eine Baustelle lebt ja, da gibt es Wettereinflüsse und andere Unplanbarkeiten, die man nicht wie in einem Excelprogramm auf die Sekunde genau ausrechnen kann.” Insgesamt jeweils 50 Schichten auf beiden Seiten der Brücke mussten sorgfältig auf Druckfestigkeit geprüft und die Ergebnisse dokumentiert werden.

Nach dieser Geduldsprobe könnte man meinen, alle Lasten seien zu genüge verteilt. Aber ein weiteres Element fiel dann doch ins Gewicht: Allmählich regte sich Unruhe unter den Anwohnern. Denn für das Auflegen der Brücke rückte ein 500-Tonnen-Kran mit zahlreichen Lastern und imposanten Auslegern an. Zehn Meter neben dem nächsten Wohnhaus ein durchaus respekteinflößender Aufbau. Peter Sendelbach nutzte einen Samstag dafür, mit den Anwohnern ins Gespräch zu gehen, Pläne zu erläutern und Ängste zu entschärfen. “In solchen Fällen ist dann auch Psychologie und Menschlichkeit gefragt. Da muss man aufklären, zuhören und die Bedenken ernst nehmen.” Dass ein guter Konsens gefunden wurde, belegt das reibungslose Auflegen der Brücke im März 2023. Bei vier Zentimetern Spielraum fügte sich das Stahlbauwerk perfekt in die Auflagebalken ein, so dass alle Last endgültig von den Schultern fallen konnte.

Auch die Nachprüfung des Setzverhaltens gab unserem Team grünes Licht – die Brücke stand fest, die Anwohner schliefen ruhig, das Team Michel hinterlies wie immer ein sauberes Terrain.

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